psychologische praxis
  tobias von legat

gruppe

 

was ist Gruppenanalyse ? – theoretische und praktische Überlegungen

 
Hier eine erste theoretische Einordnung – in den Vorgesprächen wird zusätzlich Raum für ihre Erfahrungen und Fragen sein.

 
Momentan leite ich mehrere ambulante Therapiegruppen sowie eine Supervisionsgruppe für psychotherapeutisch und supervisorisch tätige Kolleginnen und Kollegen. In meiner Praxis richte ich mich an zwei Zielgruppen: Ärztinnen und Psychotherapeuten in Aus- und Weiterbildung, die therapeutische Selbsterfahrung suchen (die „Profis“), sowie Patientinnen und Patienten, die psychotherapeutische Behandlung brauchen (die „explizit Betroffenen“). Beide Gruppen führe ich in einem Rahmenkonzept, das psychoanalytische und gruppenanalytische Traditionen zu analytischer Selbsterfahrung und Gruppentherapie verbindet. Dies ermöglicht einen lebendigen Austausch zwischen Theorie und gelebter Praxis – unterschiedliche Konstellationen in denen sich vielfältige unbewusste Dynamiken zeigen.

 
Im Zentrum steht für mich das gruppenanalytisch-psychodynamische Verständnis nach S. H. Foulkes. Hier ist die Gruppe kein bloßer Zusammenhang Einzelner, sondern ein eigenständiges Gefüge mit gemeinsamem Gruppenbewusstsein und geteiltem Kommunikationsraum. Es inszenieren sich individuelle Konflikte, Beziehungsmuster und Abwehrformen sozial – hautnah und nachvollziehbar, gleichsam real und im Übertragungsraum. Der Gruppenleiter ist kein allwissender Experte – wenn auch er teilweise deutend in Gruppenprozesse eingreift bzw. die Deutungskompetenz an die Teilnehmenden vermittelt  -  sondern er ist Teil dieses Netzes, das unbewusste Prozesse sichtbar und bearbeitbar machen soll. Für mich zentral: Die Spannungen und Beziehungen in der Gruppe spiegeln frühere Objektbeziehungen der Teilnehmer wider. Das eröffnet die Chance, alte Muster im Hier-und-Jetzt zu erkennen, zu fühlen und zu verändern.

 
Ergänzend greife ich u.a. auf  Theoreme Bions zurück: Die Gruppe ist Arbeitsgruppe mit bewusstem Ziel (Selbsterfahrung, Therapie, Weiterbildung), in welchem unbewusste Grundannahmen den Prozess prägen. Dabei dient das Setting  dazu, diese im Vollzug zu erkennen und zu deuten – etwa wenn die Gruppe den Leiter idealisiert, sich spaltet oder Hoffnungen auf Paare projiziert. So werden Widerstand, Übertragung und Gegenübertragung sichtbar und reflektiert. Auch Theoreme wie Ezriels kontrainvestierende Muster (Ausschluss, Rivalität, Schweigen) oder Yaloms therapeutische Faktoren (Kohäsion, interpersonelles Lernen, Hoffnung) sind bedeutsam.
Grundlegend bleibt S. Freud: Übertragung-Gegenübertragung-Eigenübertragung, Widerstand und unbewusste Konflikte finden auch und gerade in der Gruppe ihre interpersonelle Bühne.

 
Persönlich ist es die Lebendigkeit von Gruppen – jenseits psychoanalytischer Theorie - die mich in ihren Bann  zieht. Aus der Wissenschft kommend und zugleich kreativ demonstriert dies Dr. Weliton Menario Costa (WELI), australischer Verhaltensbiologe und Gewinner 2024 des „Dance your PhD“-Wettbewerbs des Wissenschaftsmagazin Science. In seinem Video tanzt er in einer Gruppe Dynamiken verwoben zwischen  Mensch und Tier, demonstriert das Zusammenspiel vom Einzelnen zur Kleingruppe und übergeordneter Gesamtgruppe – für mich ein plastisches Bild verschiedenster Prozesse. Weli erlaubte mir freundlicherweise dies Video hier zu verlinken. Schauen Sie rein – es macht die Lebendigkeit von Gruppen erlebbar und bringt ein Lächeln ins Gesicht, nimmt so manche Strenge und Kummer des Lebens.